Ausbildungsbeteiligung ausländischer Jugendlicher zu niedrig
BIBB-Analyse: Trotz steigender Ausbildungsbeteiligung bleibt Anteil ausländischer Jugendlicher zu niedrig
Rund 65 % der Jugendlichen in Deutschland gehen den Weg in die duale, das heißt auf betriebliche Ausbildung und Berufsschule gestützte Berufsausbildung.
Eine Berechnung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) zur Ausbildungsbeteiligung zeigt jetzt: Während sich der Anteil unter den Jugendlichen mit deutscher Staatsangehörigkeit im Jahr 2008 nur geringfügig verändert hat, gibt es bei den Jugendlichen mit ausländischem Pass einen deutlichen Anstieg der Ausbildungsbeteiligungsquote – sowohl bei den Männern (+ 5 %) als auch bei den Frauen (+ 8 %).
Allerdings sind die Ausgangswerte für diesen Anstieg sehr niedrig: So ist der Anteil unter den ausländischen Jugendlichen, die einen Ausbildungsvertrag im dualen System abschließen, auch weiterhin nur halb so groß wie unter den deutschen, und dies, obwohl der Wunsch nach einer betrieblichen Ausbildung bei beiden Gruppen mit rund 60 % gleich hoch liegt.
Das BIBB berechnet jährlich den Indikator der Ausbildungsbeteiligung Jugendlicher (Basis: Berufsbildungsstatistik und Bevölkerungsfortschreibung der statistischen Ämter des Bundes und der Länder).
Im Jahr 2008 schlossen von den männlichen Jugendlichen mit deutschem Pass 77,9 % einen Ausbildungsvertrag ab; bei denen mit ausländischem Pass waren es dagegen nur 35,4 %.
Auch bei den ausländischen Frauen ist der Anteil mit 28,9 % nur halb so hoch wie bei den deutschen (58 %). Trotz der Steigerung gegenüber dem Vorjahr bleibt der Weg der Integration von Jugendlichen mit ausländischem Pass in das duale Berufsbildungssystem also noch weit.
Auch vor dem Hintergrund des demografischen Wandels, der in wenigen Jahren dazu führen kann, dass eine zu geringe Zahl junger Leute in Ausbildung geht und dadurch den Betrieben qualifizierter Nachwuchs fehlt, appelliert Prof. Dr. Reinhold Weiß, Forschungsdirektor des BIBB, an die Unternehmen:
“Wir werden den Fachkräftebedarf zukünftig nur decken können, wenn wir mehr Jugendliche gewinnen, die bislang keine duale Ausbildung gemacht haben”.
Eine frühe und praxisnahe Information an den Schulen, größeres Engagement und Flexibilität bei den Jugendlichen, vor allem aber auch eine größere Bereitschaft von Betrieben, auf Jugendliche zuzugehen, sind unerlässlich.“
Die Berechnungen des BIBB zur Ausbildungsbeteiligung finden Sie in der Ausgabe 3/2010 der BIBB-Fachzeitschrift „Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis“ (BWP) online unter www.bibb.de/bwp/ausbildungsbeteiligung
Weitere Informationen und Analysen enthält die vorläufige Fassung des BIBB-Datenreports 2010 unter www.bibb.de/datenreport
Quelle: BIBB Pressemitteilung 25/2010 vom 15.06.2010
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